[Rezension] Verschwundene Seelen - Die Vergessenen der Wirklichkeit

Verschwundene Seelen:
Die Vergessenen der Wirklichkeit

Autor: Annika Meyer
Verlag: Fabulus Verlag
Seitenanzahl: 340 Seiten
ET: 01.03.2016
ISBN: 978-3-944788-17-3
Quelle






Gute Idee einer noch jungen Debütautorin, nur leider konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen.

Alina und weitere sechs Jugendliche gehören zum engeren Kreis der Auserwählten. Sie sollen das Buch des Lebens, das »Zauberbuch«, vor der Vernichtung durch die Schattenmenschen retten. Dazu sind die Aus- erwählten mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet. Im Kampf um das Gute haben sie es jedoch mit einem übermächtigen und verschlagenen Feind zu tun, der mit aller Brutalität vorgeht. Werden die sieben diese Schlacht letztendlich für sich entscheiden und die Schattenmenschen zurückdrängen können? Der Preis ist hoch, den die Auserwählten für ihre Berufung zu zahlen haben: Solange sie sich in ihrer Parallelwelt bewegen, verlieren Freunde, Verwandte und Kameraden in der »normalen« Welt jegliche Erinnerung an sie. Die Auserwählten sind dann die »verschwundenen Seelen«. (Lovelybooks)


Als ich hörte, dass eine mittlerweile 17 Jährige ein Buch geschrieben hat, packte mich die Neugierde. Mit gerade einmal 16 Jahren schaffte sie etwas, woran viele mit mehr Lebensalter immer wieder scheitern: Ein Buch schreiben. 

Der Klappentext sprach mich ebenso an, immerhin wurde es mit „Fitzek für Jugendliche“ tituliert. Die Neugierde war groß, doch leider kam es anders als erhofft… 

Die Story 

Ich kann es nur immer wieder betonen: Die Idee ist gut. 
Nichts noch nie dagewesenes, aber dennoch gelungen und gut. Die Idee von Annika Meyer machte neugierig, nur leider scheiterte es an der Umsetzung. Schade. 

Der Einstieg ging rasch und sehr schnell nimmt alles seinen Lauf. Nur irgendwie ging alles viel zu schnell. Viel zu reibungslos. Sie alle nahmen ihr – ungewolltes – neues Schicksal ohne großes Trara an. Da gab es keine richtige Rebellion, sie nahmen es einfach hin. Egal, wie viel sie verlieren würde. 

Logikfehler und falsche Schwerpunkte verhalfen dem Lesefluss nicht gerade zum Fließen. 
Für die Handlung wichtige Ereignisse werden nur schnell abgearbeitet um sich dann wieder den – eigentlich – weniger maßgeblichen Szenen zu widmen. 

Die Charaktere 

Viele verschiedene Protagonisten und in keinen konnte ich mich hineinversetzen. Die Charaktere scheinen wie ein notwendiges Übel zu sein: 
Sie waren ein wichtiger Bestandteil im Buch, aber liefen eher mit. Man erfährt kaum etwas über sie. Ihre Emotionen bleiben dem Leser unergründlich. Sie sind kalt und unnahbar. 

So kann es passieren, dass scheinbar aus dem Nichts eine innige Liebe erscheint oder Freundschaft, wo vorher – anscheinend – Hass herrschte. 

Im Buch geht es ja um sieben Jugendliche, deren Leben gehörig durcheinandergewirbelt wird. 
Dabei müssen sie viel einstecken und noch mehr Brutalität erfahren. 
Für mich wäre das nicht weiter schlimm gewesen, wenn nicht einer der sieben Auserwählten ein 10 jähriges Mädchen gewesen wäre, welche in manchen Situationen reifer wirkt, als die 16 Jährige Alina. 
Kann sein, dass ich den Sinn nicht richtig verstanden habe, aber warum eine 10 Jährige all die Qualen erleben muss, wo die anderen sechs über 16 Jahre sind, wollte mir nicht eingehen. 
Es kam mir unglaubwürdig vor (jaja, ein böses Wort für ein Fantasiebuch), aber Mia, die 10 Jährige, passte nicht, da sie einfach viel zu reif wirkte. Viel zu erwachsen. Viel zu untypisch für ein Kind. Sie nahm es alles viel zu leicht hin. 

Außerdem waren mir alle Auserwählten zu unglaublich. Sie lernen unglaublich schnell, sie sind alle unglaublich toll und sie können (fast) alle so unglaublich leicht mit dieser neuen Situation umgehen. Sie waren mir einfach viel zu….nun ja…unglaublich. Überprotagonisten. 

Die Schreibweise 

Das Buch wird in der 3. Person Einzahl erzählt, wobei der Leser immer den Weg von Alina mitverfolgt. 
Die Schreibweise ist sehr einfach und kindlich gehalten, was für ein Jungendbuch nicht weiter schlimm wäre, wenn es nicht so viele unnötig brutale Szenen hätte. 
Ich verstehe, dass es diese haben muss, da so der Ernst der Lage deutlicher hervorsticht, aber für die Altersempfehlung einfach too much.

Gute Idee, interessanter Aufbau, aber leider scheitert es an der Umsetzung.
Für das Buch wichtige Passagen sind schnell runtergeleiert, wohingegen eher unwichtige Szenen übergenau beschrieben sind.
Die Charaktere sind nicht mehr als leere Hüllen, die zwar viel erleben, aber dennoch kalt und unnahbar bleiben.
Ich finde es schade, dass Annika Meyer eine gute Idee hatte, sie aber durch ihr noch junges Alter nicht so umsetzen konnte, wie es sonst möglich gewesen wäre. Hätte sie ein paar Jahre gewartet, ihre Geschichte überarbeitet, dann wären nicht nur mehr Seiten herausgesprungen, sondern vermutlich auch ein durchdachterer Ablauf und weniger unscheinbare Charaktere.

Das Lesen ging nicht leicht von der Hand, aber da ich von der Idee überzeugt bin, gibt es von mir dennoch 2 von 5 Federn. Vieles ging einfach viel zu schnell oder sie verlor sich in Belanglosigkeiten, aber grundsätzlich konnte mich die Idee, welche hinter dem Buch steht, überzeugen.


Ich möchte mich beim Fabulus-Verlag und Literaturtest für das Rezensionsexemplar bedanken!

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