[Rezension] Seelen


Ergreifend! Fesselnd! Überzeugend! Die Geschichte zweier Mädchen, die aus unterschiedlichen Welten kommen und dennoch eine Gemeinsamkeit haben: Einen Körper.


Planet Erde, irgendwann in der Zukunft.
Fast die gesamte Menschheit ist von sogenannten Seelen besetzt. Diese nisten sich in die menschlichen Körper ein und übernehmen sie vollständig - nur wenige Menschen leisten noch Widerstand und überleben in den Bergen, Wüsten und Wäldern. Eine von ihnen ist Melanie. Als sie schließlich doch gefasst wird, wehrt sie sich mit aller Kraft dagegen, aus ihrem Körper verdrängt zu werden und teilt ihn fortan notgedrungen mit der Seele Wanda. Verzweifelt kämpft sie darum, ihren Geliebten Jared wiederzufinden, der sich mit anderen Rebellen in der Wüste versteckt hält - und im Bann von Melanies leidenschaftlichen Gefühlen und Erinnerungen sehnt sich auch Wanda mehr und mehr nach Jared, den sie nie getroffen hat ...

„Seelen“ zählt ja schon praktisch zu den Jugendbuch-Klassikern. Außerdem gehen die Meinungen dazu so sehr auseinander, dass ich mich einfach selbst überzeugen musste. Die einen lieben es, die anderen nicht.
Ich hatte „früher“ als die „Bis(s)-Reihe“ so aktuell war, gar keine Interesse, dieses Buch zu lesen.
Lag vermutlich daran, dass ich mir etwas komplett anders von dem Buch vorgestellt habe, als es dann war...aber jetzt – Jahre später – wagte ich mich an das Buch.
Aber um ehrlich zu sein nur wegen dem Film. Ich fand den Film großartig und das war der Auslöser, dass ich das Buch UNBEDINGT lesen musste.
Immerhin ist das Buch meist besser! Und?
Auf jeden Fall! Der Film ist gut umgesetzt, aber das Buch ist einfach besser!
Aufschlussreicher.
Genauer.
Informativer.

Die Idee von Aliens, die die Menschen unterjochen ist ja theoretisch nichts Neues, aber Stephenie Meyer machte eine „friedvolle“ Invasion daraus. Die Menschen werden nicht mit Waffen geschlagen, sondern einfach ihren freien Willen beraubt. Und da, wo keine Menschen frei Denken, herrscht auch keine Gewalt.
Wow...sind wir wirklich so schlimm? Scheint so...

Die Charaktere kannte ich – natürlich – bereits aus dem Film.
Wanderer.
Melanie.
Jamie.
Jared.
Kyle.
Ian.
Jeb.
Die Sucherin.
Doch es ist etwas ganz anderes einen Film zu sehen, als ein Buch zu lesen. Die Charaktere sind im Buch teilweise anders beschrieben, als im Film zu sehen war, was mich persönlich nicht gestört hat, immerhin hat man ja über 800 Seiten Zeit die Charaktere kennenzulernen.
Da komme ich gleich zu dem zweiten Punkt, der mir besonders gut gefallen hat:
Die Ausarbeitung der Charaktere.
Sie waren glaubhaft, wirkten real und man kaufte ihnen ihre Taten ab. Man konnte sie verstehen, mit ihnen mitfühlen und waren immer für eine Überraschung gut!

Wanderer – Wanda – ist mir da am meisten ans Herz gewachsen. Sie ist eine Seele, furchtbar selbstlos und immer bemüht das Richtige zu tun. Man leidet mit ihr mit, freut sich, wenn sie endlich einmal Glück hat und schüttelt über ihre altruistischen Pläne einfach den Kopf. Dass man das ganze Buch in ihrer Sicht erlebt zeigt so nicht nur die „schlimmen“ Seiten der Seelen oder der Menschen. Wanda versucht beide Spezies zu verstehen...das klappt manchmal mehr und manchmal weniger.

Melanie ist aber ebenso wichtig, auch wenn sie praktisch einfach nur eine Stimme im Kopf ist. Melanie ist so vieles mehr!
Natürlich, sie ist ein Mensch, der nicht aufgibt. Mutig. Stark. Kampfbereit.
Doch Melanie hat – obwohl sie so viel Schreckliches erlebt hat – nie aufgehört menschlich zu sein. Sie liebte, lachte und kümmerte sich um ihre Liebsten und das tut sie auch nach ihrer Gefangennahme immer noch! Ihr Humor war ein guter Kontrast zu Wandas ständigem freundlich-sein-Getue, denn Melanie war nicht sehr häufig...naja...freundlich.

Jamie! Jeb! Ian! Jared! Alles Charaktere, die man einfach mögen musste, obwohl mir Jamie und Jeb gleich sympathisch waren. Ian hat etwas Zeit gebraucht und Jared hat sehr viel Zeit gebraucht, damit ich sie genauso mochte wie Melanie, Jamie, Jeb oder Wanda.

Die Charaktere sind jedenfalls sehr lebhaft und bildhaft gestaltet worden. Glaubhaft und packend! Außerdem waren die Namen so gedreht, dass man sie sich leicht merken konnte. Viele J-Namen. W-Namen. Das ermöglichte das Lesen, da man die richtigen Endungen in die richtigen Spaten sortieren konnte. Mag Wanda. Wichtig für Melanie. Tod. Lebendig...

Die Schreibweise war sehr angenehm, flüssig und die Seiten flogen nur so dahin. Es ging alles immer so schnell und plötzlich war das Buch um ein großes Stückchen weiter ausgelesen. Manchmal war ich so im Lesefluss gefangen, dass ich gar nicht merkte, wie die Kapitel dahinflossen und die Zeit verging. Es zählte in diesem Moment einfach nur die Geschichte.
Wandas Geschichte.
Ein Buch, bei dem man abtauchen und die Realität vergessen kann!

Selbst das Ende fand ich perfekt. Es ist genauso wenig ein Happy End, wie die Erde eine Scheibe ist, aber irgendwie dann ja doch (also das Happy End, nicht das mit der Scheibe). Es hat mich glücklich und traurig zurückgelassen. Lässt einem Möglichkeiten zum Grübeln und zum Nachdenken, aber am Ende hatte nur ein Gedanke Platz:
Wow.

Packende Idee. Glaubhafte Charaktere. Flüssiger Schreibstil mit Sogwirkung! Was braucht ein Buch mehr?
Richtig: Gar nichts!
Das Buch war perfekt, wie es ist. Das Ende ist nicht das typische Happy End, aber dann auch wieder nicht! „Seelen“ gehört zu einem meiner Jahreshighlights 2015  und zählt ab sofort zu einem meiner Lieblingsbücher! 
5 von 5 Federn für dieses fantastische, packende und atemberaubende Buch!




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen