[Rezension] Schicksal - Eine Minute kann alles verändern


Unglaubwürdige Charaktere. Zu stark aufgesetzt bei der Handlung. Mir fehlten einfach zu oft wörtliche Reden. Sorry, aber das Buch konnte mich nicht überzeugen!


Als Nefelis Vater beschließt, von London zurück nach Athen umzusiedeln, bricht für die junge Frau die Welt zusammen. In Griechenland angekommen, sucht sie das Vergessen in einer heißen Partynacht und erwacht nach einem One-Night-Stand neben einem fremden Mann. Fluchtartig verlässt sie das Hotel und hofft, den Fremden nie wieder zu sehen. Aber das Schicksal hat etwas anderes für sie vorgesehen. Und Nefeli steht vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens.

„Ein Buch über Schicksale...mhmm...und der Klappentext hört sich auch interessant an“, meine ersten Gedanken, als ich das Buch entdeckt habe.

Gut, es ist möglich, dass meine Definition von „Schicksal“ einfach eine andere ist, als von der Autorin, aber für mich bedeutet Schicksal, dass es etwas unvorhersehbares ist, etwas, dass scheint, als ob es von einer höheren Macht gewollt ist.
Dieses Buch beinhaltet ein, zwei Schicksalsschläge, aber der Rest ist für mich ganz klar Eigenverschuldungen.
Hätte Nefeli das getan, dann hätte sie das verhindern können...

Nefeli...die Hauptperson dieses Romans und die eigentliche „Julia“. Schade nur, dass ich sie so gar nicht greifen konnte. Sie war eine Hülle, schön zum Ansehen, aber innerlich leer. Für mich einfach nicht verständlich. Ihr Charakter ist – für mich – einfach unglaubwürdig, denn sie ist im Buch 16 bzw. älter und niemand und da meine ich NIEMAND ist so verständnisvoll wie sie, wenn ein erschreckendes Geheimnis erfährt.
Anstatt auszuflippen, was wohl die menschlichste aller Emotionen wäre, ist sie nur kurz wütend, dann ganz schnell entsinnt sie sich, dass sie es ihren Eltern ja leichter machen kann und ist plötzlich wieder der brave, verständnisvolle Teenager.
Aber als sie plötzlich ein eigenes Geheimnis hat und bis zum äußersten geht, dann scheint ihr die Gefühle ihrer Eltern zu ziemlich zweitrangig zu sein...
Sie ist für mich unglaubwürdig. In ihre Gefühlen und ihren Handlungen.
Nicht nur, weil ich etwas ähnliches, wie sie, im wahren Leben durchgemacht habe und – wäre es die komplett gleiche Situation gewesen – hätte ich KOMPLETT anders reagiert. Verständnis ist schon schön und gut, aber zuerst wären andere Gefühle stärker und vor allem länger da.

Problem Nummer eins also unglaubwürdige weibliche Hauptperson.
Alexi...die männliche Hauptperson war ebenso nicht ganz greifbar. Die Autorin versuchte den Lesern so viele Informationen über Nefelis Umgebung wie möglich zu geben und – so scheint es mir – vergaß dabei, den Charakteren Leben einzuhauchen. Bei all den Personen, in ihren kleinen und größeren Rollen, gibt es nur eine einzige, die ich tatsächlich verstehen konnte.
Tante Elena.
Die anderen waren leere Hüllen, deren Innenleben nicht zu verstehen waren.

So gut die Handlung zu Beginn geklungen hatte, mit Nefeli als Hauptperson war mir die Freude schnell vergangen. Dann kamen die „Schicksalsschläge“ und Chaos und Katastrophen jagten die nächsten...klar, Menschen können Pech haben. Menschen können viel Pech haben, aber es dann feige auf das Schicksal schieben?
Obwohl man selbst schuld war?
Lügen ist etwas Schreckliches...man tut es, aber bei den wichtigen oder gröberen Dingen sollte man einfach die Augen schließen und ehrlich sein.
Jedenfalls denke ich so und vielleicht ist genau das Problem Nummer 2:
Nefeli log in der Hoffnung, dass sie es besser machte, aber nachdem sie schon zweimal auf dieser Schiene fuhr und es immer nur schlimmer machte, machte sie einfach weiter. Sie log. Katastrophe. Sie log. Weitere Katastrophe. Sie lernte einfach nicht aus ihren Fehlern und bemitleidete sich jedes Mal selbst, weil sie ja gelogen hatte... *ufff*

Und das dritte Problem was ich hatte war, dass die Schreibweise – für mich – einfach unpersönlich war. Es gab manchmal Kapitel, da tauchte 5 Seiten lang keine einzige wörtliche Rede auf, aber die Umgebung wurde beschrieben. Sehr gut beschrieben. Zu gut?
Ich finde einfach, dass wörtliche Reden ein Buch etwas lebendiger macht, aber es schien mir, dass Ruby M. Nicholson sehr stark darauf achtete, dass eben nicht zu viele wörtliche Reden auftauchten. Keine Ahnung warum.
Mir fehlten die Dialoge jedenfalls, denn die ganzen indirekten Reden waren einfach nur ermüdend.

Ich wünschte, ich könnt wenigstens etwas Positives über das Buch sagen, aber es hat mich mehr gequält, als das ich Freude beim Lesen gehabt hätte...Nefelis Gedanken waren nicht zu verstehen und ihre Handlungen unbegründet oder von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Menschen machen Fehler, ganz klar, aber normalerweise LERNT man aus den Fehlern. Nefeli nicht.
Ich gebe dem Buch 1 von 5 Federn, denn es war nicht nachvollziehbar, teilweise etwas zu übertrieben und Nefeli war nicht gerade ein Charakter, den ich ins Herz schließen konnte.


Ich möchte mich bei Ruby M. Nicholson für das Rezensionsexemplar bedanken!

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