[Rezension] Grazie, Genova. Zwei Jahre al dente


Ein Schmankerl für zwischendurch. Locker, leichte Sommerlektüre, die nur so dahinrieselt. Es geht schnell von der Hand, ist amüsant und gut zu lesen.


Sonne, Dolce Vita und eine Menge Katastrophen Alle beneiden Sonja, als ihr Traum plötzlich wahr wird: Sie bekommt eine Stellenzusage aus Genua! Hals über Kopf und mit nur zwei Koffern reist sie nach Italien. Doch schnell ist der Traum vom Dolce Vita ausgeträumt: Der Job in der Sprachschule ist nicht nur anstrengend, sondern auch schlecht bezahlt, die Wohnung überteuert und verschimmelt, und die italienischen Behörden sind ein einziges undurchschaubares Labyrinth. Als endlich amore und passione in Sonjas Leben einziehen, muss sie sich entscheiden: für die Liebe – oder für ihr geliebtes Genua?


Italien. Debütroman. Chaos.
Mehr Details brauchte ich nicht, um das Buch lesen zu wollen. Es schien ein locker, leichter, etwas chaosbehaftender Sommerroman zu sein.
Und? Dem war so.

Die Idee ist interessant. Es ist eine Art Reisebericht – jedenfalls für mich – der über eine Frau handelt, die ihre Heimat hinter sich lässt, um in ihren Traumland zu leben: Italien.
Diese Frau ist Sonja.
Vor ihrer ersten Woche in Genua: Enthusiastisch. Voller Vorfreude. Glücklich.
Nach ein paar Wochen: Gestresst. Kränklich. Enttäuscht.
Nach einem Jahr: Glücklich. Begeistert. Himmelhochjauchzend.
Und so weiter...und so weiter. xP
Sonjas Launen und Meinungen über ihr „geliebtes“ Genua ändern ständig. Im einen Moment ist sie überglücklich in Italien zu leben, im nächsten schimpft sie über die Politik oder die Wirtschaft.
Kurz: Sonja ist (Großteils) wirklich klasse. Weit weg von perfekt und genau das macht sie (fast immer) so sympathisch, denn Menschen machen nun mal Fehler, das ist menschlich. Sonja wirkt daher einfach glaubhaft. Okay, teilweise nervten mich ihre Meinungsänderungen, ihr Gemeckere und ihre – teilweise – selbstbezogene Art, aber – hej – niemand ist perfekt.

Die Schreibweise ist gewöhnungsbedürftig. Angenehm und etwas Besonders, aber man braucht ein paar Seiten, um sich einzugewöhnen, denn das Buch hat auch einige italienische Begriffe eingebaut und für jemanden wie mich, die kein einziges Wort Italienisch spricht, am Anfang etwas schwierig ist. Aber man kommt schnell in  den Sprachwechsel rein und nach und nach brennen sich einige Begriffe so in den Kopf, dass man diese selbst außerhalb der Buchwelt aufgreift (Cazzo, Mille Grazie, Ciao, etc).

Die Handlung war streng chronologisch aufgebaut, jedenfalls fast, denn Sonja springt manchmal zurück zu vergangenes und erinnert sich. Sonst geht alles nacheinander. Ankunft – Arbeit – erstes Jahr – Ferien – zweites Jahr – Arrivederci. 
Dazwischen erlebt Sonja so viel Chaos, schönes, trauriges, nervenaufreibendes, interessantes, dass einem sicherlich beim Lesen nicht langweilig wird. Es plätschert aber alles so dahin.
Das Buch geht gut und schnell zu lesen, aber einen richtigen Höhepunkt kann ich nicht festmachen. Es wird nie langweilig, aber so richtig Herzrasen, weil eine Situation aufregender ist, als eine andere, kommt nicht auf.

„Grazie, Genova. Zwei Jahre al dente“ ist ein lockerer, schöner und interessanter Sommerroman für zwischendurch. Er zeigt nicht nur eine andere Seite von Italien, sondern auch was man alles schaffen kann, wenn man den eigenen Träumen folgt und sich nicht träge aufs Sofa fallen lässt und wartet, was auf einem zukommt.
Nett zu lesen. Interessante Charaktere in einem tollen Land.
Dieses Schmankerl für zwischendurch bekommt von mir 3,5 von 5 Federn, da es gut war, definitiv lesenswert ist, aber eben nur so dahin plätschert.


Ich möchte mich ganz herzlich bei Lovelybooks, Rowohl und Bernadette Olderdissen für das Rezensionsexemplar bedanken!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen